Die Geschichte des Alten Bahnhof Steinebach

Nach Aufnahme der Ammersee-Schifffahrt 1878 wurde das Bedürfnis nach einer Bahnlinie von München Richtung Ammersee immer dringlicher. Nach einigem Hin und Her einigte man sich darauf, dass eine Trasse von Pasing nach Herrsching gebaut werden sollte.

Aufgrund der erwarteten Bedeutung der Bahnstrecke für den Ausflugsverkehr aus München entschloss man sich stabilere Bahnhofsgebäude zu erreichten als die damals üblichen nur einstöckigen Holzgebäude. Die meisten Stationsgebäude an dieser Strecke wurden daher in massiver Steinbauweise errichtet wie z.B. in Germering, Gilching, Weßling, Steinebach, Seefeld und Herrsching. Außer dem Stationsgebäude selbst, wurden überall ein einstöckiges Nebengebäude, in dem sich öffentliche Toiletten und Waschräume befanden, sowie eine Güterhalle mit Rampe errichtet.

Die Gebäude waren aber durchaus unterschiedlich gestaltet: Unterpfaffenhofen, Gilching und Steinebach haben fast identische Walmdachgebäude mit zwei Fensterachsen. Dadurch wird der Baukörper belebt. An das Stationshaus schloss sich eine durch Arkaden zur Gleisseite geöffnete Wartehalle an.

Alle Fenster und Türen hatten ursprünglich geschwungene Putzrahmungen mit farbig aufgemalter Pflanzenornamentik. Als weiteres Gestaltungselement wurden Riffelputzfelder verwendet, wie man sie heute u.a. noch an den Fassaden der Wartehallen am Bahnhof Steinebach sehen kann. Der verwendete Putz war ein typisches Merkmal der damaligen Zeit. Die schmiedeeisernen Fenstergitter zeigen florale Motive wie Seerosenknospen, Seerosenblüten, Schilf etc. Möglicherweise wollte der Kunstschmied bei der Gestaltung der Fenstergitter einen Bezug zur Lage der Bahnhöfe in der Nähe der Seen herstellen.

Am 1. Juli 1903 wurden die Bahnstrecke und somit die Bahnhofsgebäude dann offiziell in Betrieb genommen.

Steinebach ist nach dem Bau der Eisenbahn bedeutend angewachsen. Der richtige Aufschwung kam durch den Tourismus in den zwanziger und dreißiger Jahren. 1922 wurde das Hotel Fleischmann gebaut, es boomte sofort. Die Gäste kamen scharenweise aus München. Es wurden am Wochenende eigene Badezüge eingesetzt und ein eignes Badezuggleis errichtet. Am Sonntagmorgen wurden die Bahnreisenden dann mit Blaskapelle des Hotels am Bahnhof mit Musik begrüßt und mit Musik zum Strandbad Fleischmann geleitet. Diese Badezüge verkehrten noch bis Ende der 50er Jahre.

Im Mai 1972 wird der S-Bahnbetrieb im Großraum München aufgenommen. Die S-Bahnzüge verkehren nun im 40-Minuten-Takt nach Herrsching, später im 20-Minuten-Takt. Wenige Jahre später wird im Bahnhof Steinebach die Fahrkartenausgabe geschlossen, womit der Bahnhof eine seiner wesentlichen Funktionen verlor.

Der Bahnhofsbeamte und seine Familie zogen aus der Bahnhofswohnung aus. Ab 1989 wurden die abschließbaren Räume  des Gebäudes durch das Landratsamt Starnberg zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt, die Wartehalle stand leer.

1991 stellt das Landratsamt Starnberg das Bahnhofsgebäude in Steinebach unter Denkmalschutz, bezeichnet es damit als erhaltenswert und empfiehlt der Gemeinde Steinebach den Ankauf des Gebäudes. Dieser Meinung waren auch eine ganze Reihe junger Steinebacher, die die Gemeinde drängten, das Bahnhofsgebäude zu kaufen und als eine Art Jugend- und Kulturzentrum umzubauen. Es bildete sich sogar eine Bürgerinitiative für den Bahnhofskauf.

Der Gemeinderat entschied sich aber damals nach einer außerordentliche Bürgerversammlung gegen den Ankauf des Gebäudes. In der Bevölkerung stieß diese Entscheidung nicht überall auf Verständnis, Enttäuschung machte sich breit.

1992 wurde der Bahnhof Steinebach privat von Herrn Thomas Witt gekauft, der zunächst – da er einer der weltweit bekanntesten Schmetterlingssammler ist – im Bahnhof ein Schmetterlingsmuseum einrichten wollte. Bald erkannte er aber, dass seine rund 3,5 Millionen Exemplare im Bahnhof gar keinen Platz finden würden.

Daher nahm er die Gedanken der Bürgerinitiative wieder auf, und baute den Bahnhof in Abstimmung mit dem Denkmalschutz um in einen Gastronomiebetrieb, in dem auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden sollten. Zu diesem Zweck musste unterirdisch neben dem alten Bahnhofsgebäude ein Keller gebaut werden für Sanitär- und Wirtschaftsräume. Um diesen Keller zu erschließen wurde ein moderner Eingangsbereich in Schiffsform geschaffen. Das ehemalige Toilettennebengebäude wurde ebenfalls renoviert, etwas erweitert und als Praxisgebäude umgebaut.

Bereits 1995 wurde der Bahnhof als „Warteraum“ an einen Gastronomen verpachtet, der allerdings nach zwei Jahren seinen Betrieb wieder schloss.

Von 1997 bis Anfang 2011 wurde der alte Bahnhof dann als Kulturkneipe "Steinebacher" geführt und insbesondere durch sein Kulturprogramm auch überregional bekannt. Veranstaltungen mit der Spider Murphy Gang und dem Quadro Nuevo waren ebenso Anziehungspunkte wie der Pianist Martin Schmitt oder der Kabarettist Frank Astor.